Wer mit Eifer sucht

Da ist es wieder. Dieses Gefühl. Mein Herz schlägt ganz schwer und immer schneller in meiner Brust. Ganz viele Stiche prasseln auf mein Herz und mein Brustkorb verkrampft. Ich strenge mich ganz doll an zu atmen. Bewusst atme ich langsam durch die Nase ein. Angestrengt ... und atme laaaaaangsam ein.

Kurz innehalten - Konzentration! Und nun laaaangsam wieder durch den Mund aus. Ich wiederhole diese Prozedur. In mich hinein nickend, nehme ich mich jetzt an. Die Tränen kann ich nicht mehr zurückhalten. Sie schießen in meine Augen und ich höre mich schluchzen. So viele Gedanken in meinem Kopf, die mich durcheinander bringen. Ich merke wie die Schnotter aus der Nase läuft und zieh erstmal hoch. Das bringt mich noch mehr zum schluchzen und jetzt ist der Punkt erreicht. Ich brauche mehr als ein Taschentuch. Ich gehe geradeaus ins Bad. Kaltes Wasser tut bestimmt gut. Mit beiden Händen spüle ich mein heißes Gesicht - wieder und wieder. Das Schluchzen wird weniger. Ich schnäuze ins fließende Wasser, mache noch ein paar tiefe, laute Seufzer, greife nach dem Handtuch und ab aufs Gesicht. Vorsichtig tupfe ich es trocken, schluchze leicht und nehme es langsam von meinem Gesicht. Zaghaft blicke ich in den Spiegel und schaue in zwei rotgeweinte Augen. Das Make-Up ist verwischt und unterstreicht die aktuelle Gefühlssituation in dramatischer Weise. Mein Gesicht ist rot gefleckt. Da stehe ich nun. Eine erwachsene Frau, aufgelöst mit Herzschmerz und purer Verzweiflung.

 

"Es tut so weh!" flüstere ich zu meinem Spiegelbild. "Es tut so verdammt doll weh!".

 

Stille. ... Fragend schaue ich mein Spiegelbild an. Ein langer Moment vergeht, in dem ich einfach nur da stehe und mich nachdenklich ansehe. Meine Befürchtungen haben sich wieder bestätigt. Ich bin schon mit der Angst abgefahren, dass wir uns die Klinke in die Hand geben. Dass sie in unserem Bett schläft. Und meine erste Handlung ist, nachdem ich nach Hause komme: ich gehe ins Schlafzimmer. Ich bin direkt zum Bett - ohne Umwege mit schwerem Herzklopfen und der Hoffnung, dass alles gut ist. Und meine Augen sehen ein Haar von ihr. Meine Nase riecht ihr Parfüm und mein Herz zerspringt wieder in 1000 Stücke. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Diana (Donnerstag, 16 Juli 2020 19:27)

    Schmerzergreifende Geschichte �. Schön geschrieben

  • #2

    Katja Peters (Freitag, 17 Juli 2020 21:36)

    Liebe Diana, freut mich, dass dir die Geschichte gefällt. Eifersucht und Intuition sind übrigens eng miteinander verbunden. Das wird nur oft im Gefühlschaos übersehen.
    Liebe Grüße :-)